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Stadtwerke Detmold GmbH

Von der Kostenstelle zum Profitcenter

Vor der Liberalisierung der Energiemärkte haben die Stadtwerke ihren jeweiligen Markt zu 100 Prozent bedient. Heute stehen die lokalen Energieversorger nicht nur im Wettbewerb - im Netzbereich besteht zudem eine gesetzliche Regulierung, die Kosten vorgibt. Um den Herausforderungen zu begegnen, dachten die Stadtwerke Detmold über eine Geschäftserweiterung im Netzbereich nach. Da die  Zusammenarbeit mit den benachbarten Stadtwerken sehr gut ist, richteten sie gemeinsam mit vier Partnern den Fokus auf ein solches Wachstum. Sie gründeten zusammen die Stadtwerke Lippe-Weser Service GmbH & Co. KG, die Dienstleistungen in Netzvertrieb und Netzwirtschaft erbringt. Und sollten Konzessionen für den Betrieb weiterer Strom- und Gasnetze akquiriert werden, übernimmt die  Servicegesellschaft den Netzbetrieb.

Jährlich laufen deutschlandweit rund 1.000 Konzessionsverträge aus, die von den Städten und Kommunen für 20 Jahre neu vergeben werden. In diesem Zuge ergab sich für die Stadtwerke Detmold die Möglichkeit, direkt in der Nachbarschaft das eigene zu betreuende Netz durch die Bewerbung um weitere Netzkonzessionen zu erweitern. Denn gleich vier lippische Kommunen schrieben die Vergabe ihrer Konzessionen aus. Im Rahmen dieser Ausschreibung kamen die Stadtwerke Detmold schnell mit den anderen Stadtwerken der Region ins Gespräch, wie Christoph Hüls, Geschäftsführer der Stadtwerke Detmold erklärt: „Es wurde rasch deutlich, dass die Stadtwerke in Lemgo, Bad Salzuflen und Rinteln die gleichen Gedanken verfolgten. Und dann haben die Kollegen aus Lemgo die Vorreiterrolle übernommen und dafür gesorgt, dass wir uns gemeinsam um diese Konzessionen bewerben."

Erprobter und fachkundiger Datentransfer

In den vier lippischen Kommunen wohnen ca. 50.000 Menschen - für diese Vielzahl von Haushalten gilt es also, zukünftig die komplexen Aufgaben rund um Netzwirtschaft und Netzvertrieb erfüllen zu können. Die Stadtwerke gründeten gemeinsam die Stadtwerke Lippe-Weser Service GmbH & Co. KG, um dies im Zusammenspiel leisten zu können. Denn für den Betrieb der vier lippischen Netze muss unter anderem ein Datentransfer der neuen Netze in ein einheitliches IT-System erfolgen - in das der frisch gegründeten Servicegesellschaft. „Wir haben uns frühzeitig überlegt, mit einem ‚Warmstart‘ in diesen möglichen neuen Netzbetrieb hineinzugehen", erklärt Christoph Hüls. „Wer schon einmal eine solche Datenmigration geleistet hat, kennt die Herausforderungen und weiß, wie sie zu lösen sind. Und da wir uns in Detmold und Lemgo schon vor Jahren für die gleiche Software im Netzbereich entschieden hatten, war es nur noch ein kleiner Schritt, um den Testlauf mit unseren eigenen Daten zu fahren." So vereinten die Lemgoer und Detmolder Stadtwerke ihre Netzdaten auf einem System bei der Servicegesellschaft. Ebenso führten die beiden Stadtwerke ihre Mitarbeiter aus den Bereichen Netzwirtschaft und Netzvertrieb in der Gesellschaft zusammen, um die hoch spezialisierten Arbeitsfelder auf mehreren Schultern zu verteilen.

„Obwohl solche IT-Systeme extrem teuer sind, werden sie alle drei bis fünf Jahre auf den Prüfstand gestellt", erklärt Christoph Hüls. „Für uns bedeutet dies, dass wir uns solche Kosten zukünftig teilen können. Aber auch bei unseren Partnern in Bad Salzuflen und Rinteln ist es eine Perspektive, auf die Software der Servicegesellschaft zugreifen zu können, wenn ihre IT einer Erneuerung bedarf. Und natürlich stehen die Dienstleistungen der Servicegesellschaft in den Bereichen Bilanzierung, Marktkommunikation, Netzabrechnung und Netzwirtschaft auch anderen kleinen und mittleren Stadtwerken zur Verfügung - in einer Arbeitsgemeinschaft, in der das Miteinander gelebt wird. Die Stadtwerke Vlotho machen schon davon Gebrauch, indem sie die Dienstleistungen nutzen und sich an unserer Gesellschaft beteiligen." Auch die Stadtwerke Detmold beziehen ihre Netzabrechnung nun komplett über die Stadtwerke Lippe-Weser Service. Aber zugleich erbringen die Detmolder Stadtwerke kaufmännische Dienstleistungen für die Servicegesellschaft - begleiten unter anderem die Personalabrechnungen und den Jahresabschluss.

Stadtwerke und Kommunenprofitieren gleichermaßen

Sollte der Zuschlag für die Netzkonzessionen der vierlippischen Gemeinden an die Servicegesellschaft gehen, wird diese den kaufmännischen Betrieb erbringen. Dabei lautet das Ziel, die Leistungen rund um den komplexen Netzbetrieb so zu positionieren, dass für den Kunden trotz aller Regulierung keine Verschlechterung, sondern eine Verbesserung eintritt. „Das funktioniert, weil unsere Servicegesellschaft effizient und wirtschaftlich arbeitet", meint Christoph Hüls. „War der Netzbereich bislang eine Kostenstelle, so kann er sich für alle beteiligten Stadtwerke zu einem Profitcenter entwickeln. Wir wollen die Kunden gut bedienen, die Qualität soll stimmen, der Preis auch und dann darf selbst im regulierten Netzbereich wieder verdient werden." Diese Aussichten beflügeln die anderen beteiligten Stadtwerke Bad Salzuflen, Lemgo, Rinteln und Vlotho ebenso. Und schon denken auch andere Stadtwerke im Umfeld darüber nach, ob sie sich mit der Servicegesellschaft in den Veränderungsprozess begeben. „Der Wettbewerb zerrt an den Stadtwerken und da überlegen viele, ob sie eine weitere ‚Baustelle‘ eröffnen", erklärt Christoph Hüls. „Als wir mit der Servicegesellschaft gestartet sind, waren manche Stadtwerke noch nicht dazu bereit - aber da wir nun schon operativ tätig sind, wird unsere Gesellschaft für mittlere und kleine Stadtwerke sowie für Kommunen interessant. Wir sind gespannt, welche Kreise unser kooperatives und gemeinschaftliches Modell noch ziehen wird."